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Hl. Nektarios von Pentapolis, (9. November), aus dem Buch "Erkenne dich selbst"

Über die Gottesliebe*


Göttlicher Eros ist die vollkommene Liebe zum Göttlichen, die sich äußert als ununterbrochenes Sehnen nach dem Göttlichen. Der göttliche Eros wird geboren in einem geläuterten Herzen, denn in ein solches Herz kommt die göttliche Gnade herab.

Eros des Göttlichen ist ein göttliches Geschenk, das der reiner Seele geschenkt wird von der göttlichen Gnade, die herabkommt in sie und sich ihr offenbart.


Göttlicher Eros wird niemals geboren ohne göttliche Offenbarung, denn die Seele, die keine solche Offenbarung empfangen hat, entbehrt der Einwirkung der Gnade und bleibt ohne Erfahrung des göttlichen Eros. Unmöglich wird der göttliche Eros geboren ohne Einwirkung der göttlichen Kraft auf das Herz. Der göttliche Eros ist die Energie der göttlichen Gnade, die im Herzen Wohnung genommen hat.


Die Gottliebenden wurden zum göttlichen Eros gezogen durch die auf ihr reines Herz

einwirkende Gnade Gottes, die sich ihrer Seele offenbarte und sie hinzog zu Gott. Zuerst wurde der Gottliebende geliebt von Gott, und danach entbrannte er selbst in Liebe zu Ihm. Zuerst wurde der Gottliebende zum Sohn der Liebe, danach wurde er ergriffen von der Liebe zum himmlischen Vater.

Nie schläft das Herz dessen, der den Herrn liebt, sondern in seiner übermäßigen Liebe

wacht es immerdar (s. Hohelied 5,2).


Des Bedürfnisses der Natur wegen schläft der Mensch, doch sein Herz wacht und singt zu Gott.

Der göttliche Chrysostomos sagt über den geistigen Eros: "Der geistige Eros ist so überwältigend, dass er keinen Augenblick nachläßt, sondern die Seele des Liebenden allezeit völlig beherrscht und keinerlei Betrübnis oder Schmerz in der Seele aufkommen läßt."


Die gottliebende Seele hängt Gott an mit aller Kraft. Auf Ihn vertraut sie und auf Ihn setzt sie alle ihre Hoffnung. Der göttliche Eros hebt sie empor zu Gott, und mit Ihm hält sie Zwiesprache Tag und Nacht.


Die Seele, die verwundet ist von der Gottesliebe (s. Hohelied 5,8), begehrt nichts

anderes als das höchste Gut. Alles andere schiebt sie beiseite und empfindet Abscheu davor.


Die Seele, die ergriffen ist von der Gottesliebe, hat die Worte Gottes als ihre einzige

Beschäftigung und Seine Zelte als Wohnstatt. Öffnet sie den Mund, berichtet sie von den Wundern Gottes, redet sie mit anderen, spricht sie von Seiner Herrlichkeit und Majestät. Unermüdlich läßt sie Lobpreis und Hymnen aufsteigen zu Gott, mit göttlicher Sehnsucht betet sie Ihn an.


So verwandelt der göttliche Eros die Seele, gleicht sie ganz ihm selbst an, macht sie sich vertraut und ganz zu eigen.


Die Seele, die ergriffen worden ist von der Gottesliebe, hat das Göttliche erkannt, und

diese Erkenntnis hat ihre Gottesliebe entfacht. Die gottliebende Seele ist selig, denn sie ist dem göttlichen Geliebten begegnet, Der alle ihre Sehnsüchte erfüllt. Jedes Begehren, jedes Sehnen, jedes Verlangen, das der Gottesliebe fremd ist, weist sie als niedrig und ihrer selbst unwürdig zurück.


Wie sehr hebt die Liebe zum Göttlichen, erwidert von der göttlichen Liebe Selbst, die

gottliebende Seele in die Höhen! Einer leichten Wolke gleich nimmt die göttliche Liebe die Seele mit und führt sie hinauf zum ewig strömenden Quell der Liebe, zur Unvergänglichen Liebe, und erfüllt sie mit unvergänglichem Licht.


Die vom göttlichen Eros verwundete Seele freut sich allezeit und jubelt, sie springt und

tanzt, denn sie findet sich erquickt in der Liebe des Herrn wie an den Wassern der Erquickung (Ps 22,2). Nichts von den betrüblichen Dingen dieser Welt ist imstand, ihre Ruhe und ihren Frieden zu stören, keine irdische Trauer kann ihr ihre Freude und ihren Frohmut wegnehmen.


Die gottliebende Seele, emporgetragen von den Schwingen der Liebe, ist wie entrückt,

wie enthoben der körperlichen Sinne und des Körpers selbst, und sie vergißt sich selbst in ihrer vollkommenen Hingabe an das Göttliche.


Die unbeschreibliche Süße der göttlichen Liebe fesselt und überwältigt das Herz, den Geist aber zieht sie zum Göttlichen hin, damit er sich Gottes erfreue im Jubel. Der göttliche Eros ist der Verlobungszeit gleich. Er wirkt Gewöhnung an Gott.


Aus der Gewöhnung folgt Vertrautheit. Aus der Vertrautheit folgt das Kosten, und aus dem Kosten folgt der Durst.


Die Seele, die angerührt wurde von der Gottesliebe, vermag nichts anderes mehr zu denken und nichts anderes mehr zu begehren, und unaufhörlich ruft sie unter Seufzen: "O Herr, wann werde ich zu Dir gelangen? Nach Dir, mein Gott, sehnt sich meine Seele, so wie der Hirsch sich sehnt nach den Wasserquellen!" (Ps 41,2-3).


Solcherart ist der göttliche Eros, der die Seele ergriffen hat.




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